Schutzwirkung Kettenpanzer, Holzschilde und Rüstungsteile

 

Schon vor einigen Jahren habe ich eine Versuchsreihe durchgeführt um die Schutzwirkung von Kettenpanzer, Holzschilden und Rüstungsteilen (bis 1,5mm) zu erproben. Hierfür habe ich Videoaufnahmen machen lassen, die stark verlangsamt zeigen, welche tödliche Wirkung hinter einer geschwungenen Axt und einem einfachen Pfeil stecken.

 

 

Das Kettengeflecht:

 

Ein nicht vernietetes Kettenhemd bietet keinerlei Schutz vor Pfeilbeschuß!

Der Dorn der "Einfachen Axt" dringt vollständig durch das Geflecht. Lediglich die scharfe Schneide kann die Kettenringe nicht beschädigen, jedoch führt ein durchgezogener Schlag zu schwersten Verletzungen und Knochenbrüchen.

Schlussfolgerung:

  • vernietete Kettenhemden bieten mehr Schutz
  • lose Kettenringe bieten nur mäßigen Schutz, in erster Linie vor Schnittverletzungen.

 

Das Schild aus Holz

 

Einfache Hölzer aus Buche und Eiche mit einer Stärke von 30mm bieten nur bedingten Schutz vor Pfeilen. Selbst ein herkömmlicher Pfeil mit 32 Zoll Länge und einer Feldspitze mit 100 Gramm kann von einem 50 Pfund Bogen dieses Schild durchdringen. Fichtenholzbretter mit 60mm hemmen den Schuss, brechen jedoch ebenfalls entzwei, sofern keine Eisenumrandung vorliegt.

Ein historischer Pfeil (England 12Jhrd.) wiegt in etwa 500 Gramm und verfügt über eine geschmiedete Vierkantspitze die Rüstungen und mehrere Zentimeter dicke Holzplatten durchdringen kann. Die Schneide einer Axt schlägt tiefe Kerben hinein. Der Dorn hingegen kann nicht weit genug eindringen. Das Schild federt zurück.

 

Rüstzeug aus Stahlblech (1mm):

 

Stahl bis 1 mm bietet wenig Schutz gegen direkten Pfeilbeschuss. Der Angriff mit der Axt führt zu Kerben und Dellen. Sofern die Polsterung dahinter stark genug ist, kommt es zu keinerlei Verletzungen. Der Dorn durchdringt (bei halber Kraft und kurz geführter Axt) das Schild kaum. Das Zurückfedern und die Polsterwirkung überwiegen.

Hier gilt mein Dank Steffen Hauschild, der seinem Namen alle Ehre gemacht hat.

Die Versuche führten zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Ein untrainierte Mann kann mit einer schwere Zweihandaxt nur einige Minuten kämpfen. Es ist kräfteraubender als gedacht.
  • Ein ordentlich gearbeitet Stahlschild biete auch mit 1,0mm Materialstärke genügend Schutz, ist aber wahnsinnig schwer. (3-4kg machen einem deutlich zu schaffen.)
  • Im Kampf hätte der Krieger mit Axt den kürzeren gezogen, da er kaum im Stande gewesen wäre die Gegenangriffe zu blocken.
  • Der Schildarm kann die Schläge leicht abfangen.
  • Weder Dornen noch Klinge durchbrechen die Panzerung.
  • Wird der Schlag jedoch über Kopf geführt und trifft auf den Körper, wird der Panzer durchschlagen.

 

Rüstzeug aus Stahlblech über 1,5mm und mehr:

 

Mit herkömmlichen Pfeilen und 50 Pfund wird das Blech zwar durchstoßen, der Pfeil kann jedoch nicht eindringen. Auch die Schläge einer kurzgeführten Axt richten kaum Schäden an (weder die Schneide, noch der Dorn).

Ein trainierter Mann kann mit geeigneten geschmiedeten Waffen auch diese Panzerung durchschlagen (eigene Erprobungen folgen).

 

Sollte jemand mehr über die Wirkung von Pfeil und Bogen wissen wollen, empfehle ich die Schlacht von Crécy.

6.000 Langbogenschützen (80-100Pfund)

144.000 Pfeile in 240 Sekunden.