Langbogen und Pfeile

 

Übersicht:

  • Ab dem 15ten Jhrd. wurden Rüstungen gehärtet.
  • Pfeilspitzen hingegen waren aus einfachem Stahl und meist von geringer Qualität, was auf die hohe Stückzahl zurück zu führen ist.
  • Pfeile gehörten zu den "Verschleißteilen" im Krieg.
  • Trotz Langbogen konnten Panzerplatten nicht durchschlagen werden.
  • Pferde und Ungerüstete waren nahezu schutzlos dem Beschuss ausgeliefert.
  • Dies führte zu großen Ausfällen und zu Chaos (gestürzte Reiter/verwundete Pferde) auf dem Schlachtfeld.
  • Ein Dauerbeschuss mit mehreren Tausend Pfeilen pro Minute war sehr zermürbend.

 

Der Langbogen galt lange Zeit als die Wunderwaffe des Mittelalters. Neue Vorschungsergebnisse lassen den Verdacht aufkommen, dass dem nicht so war. Anhand einer beliebigen Schlacht möchte ich die aktuelle Meinung näher erläutern:

 

Englischer Langbogenschützen: (5.000 Mann)

  • Primärwaffe: Langbogen mit mehreren Dutzend Pfeilen
  • Sekundärwaffe: Dolch und Holzhammer
  • kaum gerüstet
  • kein Wappen

Englischer Ritter (Fußsoldat): (1.500 Mann)

  • Primärwaffe: Schwert und Schild
  • Sekundärwaffe: Dolch
  • gut gerüstet
  • adliger Abstammung mit Wappen

 

Französischer Panzerreiter: (5.000 Mann)

  • Primärwaffe: Lanze
  • Sekundärwaffe: Schwert und Schild
  • Harnisch aus gehärtetem Stahl
  • adlige Abstammung mit Wappen

Französischer Armbrustschütze: (500 Mann)

  • Primärwaffe: Armbrust
  • Sekundärwaffe: Schild, Dolch, Krähenfüße
  • kaum gerüstet
  • kein Wappen

Französischer Ritter (Fußsoldat): (25.000 Mann)

  • Primärwaffe: Schwert und Schild
  • Sekundärwaffe: Dolch
  • gut gerüstet
  • adliger Abstammung mit Wappen



Das Schlachtfeld:

  • leicht abschüssig (zum Nachteil der Franzosen)
  • Lehmboden trocken (trotz des Regens in der letzten Nacht)
  • Grasbewachsen
  • flankiert durch zwei Wäldchen

 

Wir sehen die Schlacht mit den Augen eines englischen Langbogenschützens. Nennen wir ihn Kilbertus. Die Truppen stehen sich in einigen Hundert Metern Entfernung gegenüber. Sie sind ausgeruht und nicht von langen Gewaltmärschen geschwächt. Der Vormittag neigt sich dem Ende.

Kilbertus kniet nieder und nimmt etwas Erde auf, die er zwischen den Fingern zerreibt. Oberflächlich fühlt sie sich trocken an. Keine der beiden Armeen will die Schlacht beginnen. Schließlich gibt der Englische Heerführer in den Mittagsstunden den Befehl zum Angriff. Die Engländer bauen ihre Schutzpalisaden ab, marschieren auf die Franzosen zu und bauen sie wieder auf.

Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten franz. Panzerreiter hinter ihren Schlachtlinien, tränken ihre Pferde, oder reiten sie warm. Ein schneller Vorstoß hätte die Schlacht zu Gunsten der Franzosen entschieden.

Die franz. Armbrustschützen feuern ihre Bolzen ab, doch sie sind alle zu kurz (Abschüssiges Gelände). Der Gegenangriff der engl. Langbogenschützen bringt nahezu alle zu Fall. Die wenigen überlebenden ziehen sich zurück.

Sofort beginnt der Angriff durch die schweren Panzerreiter. Ihre Rüstungen können nicht durchschlagen werden. Kilbertus feuert alle 8 Sekunden einen Pfeil ab. Er hat keine Zeit zu sehen, was der Pfeilhagel anrichtet.

Die Hufe von 5.000 Pferden lassen das Schlachtfeld erzittern. Plötzlich stürzen die ersten Reihen zu Boden. Hunderte Pferde werden verletzt, werfen ihre Reiter ab und trammpeln die Panzerreiter zu Tode.

Kilbertus sieht das Chaos und bekommt den Befehl den Beschuss zu unterbrechen. Vor ihm liegen 4.000 Verletzte oder tote Panzerreiter.

Nun folgt der Angriffsbefehl für die franz. Fußtruppen. Durch den Einsatz der Panzerreiter ist aus dem lehmigen Boden ein schlammiger Morast geworden. 25.000 Mann stürmen los und treffen auf die ersten Hindernisse. Tote und Verletzte liegen ihnen im Weg. Der Boden wird noch schlammiger.

Der Pfeilbeschuss der Langbogenschützen setzt abermals ein, doch Kilbertus muss entsetzt feststellen, dass die Pfeile keinerlei Wirkung zeigen.

Aus ihm unerfindlichen Gründen drängen sich sämtliche franz. Fußtruppen zur Mitte hin. Grund hierfür sind die Wappenträger der engl. Truppen.

Das gezahlte Kopfgeld im Mittelalter war manchmal so hoch, dass es einem Lotto-Sechser gleich kam. Deshalb versuchte der franz. Adel die engl. Adligen anzugreifen und gefangen zu nehmen.

Die Schlacht schien zu kippen.

Als Kilbertus den Befehl für den Direktangriff bekam, legte er seinen Bogen zur Seite und rannte mit Holzhammer und Dolch bewaffnet auf die stark gepanzerten Angreifer los, die noch immer 5:1 überlegen waren.

Wie durch ein Wunder gelang es den Engländern die gesamte Streitmacht im Gänsemarsch zu bezwingen.

Trotz der starken Panzerung und der Überlegenheit war die Gegenwehr der Franzosen nahezu nicht vorhanden. Sie stecken bis zu den Waden im Schlamm und konnten die Füße kaum noch heraus ziehen.

Obwohl die Engländer auch einsanken konnten sie ihre Füße leichter aus dem Boden ziehen. Sie trugen Schuhe aus Stoff, während ihre Gegner gepanzer Stiefel trugen.

Kilbertus schlug mit seinem Holzhammer auf die nahezu bewegungslosen Franzosen ein, überwältigte sie und erstach viele mit seinem Dolch.

 

Abermals gewinnt David gegen Goliath und das weil viele Umstände dazu beigetragen hatten.